BundesChampionat Fahrpferde in Moritzburg mit Musikabend „Musik & Hengste“ im Alten Reithaus Moritzburg am 17. und 18.08.2019

Text St. GEORG

Umzug von Warendorf nach Moritzburg:

Fahrpferde-Championat 2.0  vom 16.-18. August 2019

Das Bundeschampionat des Deutschen Fahrpferdes ist unbestritten ein „Baby“ der DRFV-Fachgruppe Fahren. Der seinerzeitige Fachgruppenvorsitzende Leopold Graf Rothkirch hatte auf der Jahrestagung 1987 aktive Fahrer, Richter und Ausbilder nach Dillenburg geladen, um mit ihnen die Anforderungen zur Beurteilung von jungen Fahrpferden für ein Fahrpferde-Championat zu diskutieren. Nach ersten Ideen von Graf Rothkirch sollte sie „Materialprüfung für Fahrpferde“ heißen.

Die ersten Diskussionen kreisten um die Frage, ob eine Mindestleistungsprüfung und eine Zugwilligkeitsprüfung Bestandteil dieser Prüfung sein müssten. Dies stieß, nicht zuletzt aus Praktikabilitätsgründen, auf Widerstand bei der FN. So einigte man sich auf eine Testprüfung mit einem Dressurteil, einem Kegelparcours und einer Mindestleistung in Schritt und Trab sowie auf die Bezeichnung „Eignungsprüfung für Fahrpferde“. Der besondere Clou sollte sein, den Kegelparcours im unmittelbaren Anschluss an die Dressuraufgabe auf dem Dressurviereck zu fahren.

Der damalige Vorsitzende des DOKR-Fahrausschusses, Enno Georg, zerbrach sich gemeinsam mit Bernd Duen, Heinz-Joachim Fincke und Franz-Hermann Hahn den Kopf darüber, wie ein derartiger Standardparcours auf einem 80-Meter-Viereck aufgebaut werden kann, ohne die erforderlichen Dressurlektionen zu stören.

Die erste Pilotprüfung dieser innovativen Aufgabe, für die es auch international kein Vorbild gab, fand am 15. Mai 1988 im rheinischen Dilkrath statt als Eignungsprüfung für vier- bis siebenjährige Fahrpferde der Klasse A. Die Feuertaufe war bestanden! Mit einigen wenigen praktischen Änderungen wurde diese neue in die große LPO-Novelle zum 1.1.1990 aufgenommen. Im gleichen Jahr fand im Reiterstadion der Oldenburger Pferdemetropole Vechta die Pilotprüfung für das Bundeschampionat der vier- und fünfjährigen Deutschen Fahrpferde statt. Seit 1991 spielen die Fahrpferde mit im großen Konzert der Bundeschampionate, zunächst an wechselnden Standorten (München, Verden, Mannheim), dann seit 1994 in Warendorf.

Durch den enormen Aufschwung der altdeutschen Fahrpferderasse Schweres Warmblut nach der Wiedervereinigung und die Teilnahmebeschränkung des Bundeschampionats auf die Rassegruppe Deutsches Reitpferd entstand 2002 ein Ableger dieses Championats im sächsischen Landgestüt Moritzburg bei Dresden: das Bundeschampionat Schweres Warmblut, unter dessen Fittiche seit  2004 auch das Fahrpony-Championat geschlüpft ist. Nach gleichem Reglement durchgeführt, vollzog sich eine geradezu gegenläufige Entwicklung. Während die Starterzahlen der Fahrpferde in Warendorf kontinuierlich und in erschreckendem Maße zurückgingen, stiegen Zahl und Qualität der in Moritzburg präsentierten „Schweren“ und auch der Fahrponys. In Warendorf mussten Prüfungen ausfallen mangels ausreichender Nennungszahlen, was dem Image des Fahrpferdechampionats sehr geschadet hat.

Die DRFV-Fachgruppe Fahren und der DOKR-Fahrausschuss haben bis zum Schluss an der Überlegung festgehalten, dass die Fahrpferde am gleichen Platz mit Reit-, Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitspferden präsentiert werden sollten, um die volle Bandbreite des Pferdesports zu zeigen und zu demonstrieren, dass Reiten und Fahren der gleichen Ausbildungsmethodik folgen. Die schon seit einigen Jahren propagierte Alternative zu Warendorf war ein großes gemeinsames Fahrpferdechampionat für Pferde aller Rassen in Moritzburg. Nach langen und sehr ernsthaften Diskussionen auf den verschiedenen Verbandsebenen, aber auch mit zahlreichen aktiven Fahrern und Ausbildern stand dann Anfang 2019 die Entscheidung fest: Das Bundeschampionat des Deutschen Fahrpferdes zieht um von Warendorf nach Moritzburg!

Eines wird es dennoch (zunächst) nicht geben: einen gemeinsamen Fahrpferde-Champion. Die Aufteilung in die Rassegruppen Schweres Warmblut, Deutsches Reitpferd und Ponys wird bleiben. Ob es in Zukunft vielleicht ein „Best of Best“-Finale geben kann, ist derzeit noch offen. Bleiben wird auch die Option, dass die Zuchtverbände außerhalb der regulären Qualifikationsprüfungen bis zu zwei Pferde pro Prüfung nominieren können, eine Chance, von der bisher die Verbände und Landgestüte kaum Gebrauch gemacht haben.

Hinsichtlich der örtlichen Voraussetzungen ist Moritzburg sicherlich keine Verschlechterung, denn neben dem großen und sehr fahrpferdegerechten Prüfungsplatz mit neu gebauter Tribüne und Richterhaus sprechen vor allem die Vorbereitungsplätze sowie das vorzüglich geeignete und auch für Zuschauer bestens einsehbare Gelände für die sächsische Metropole. Dort stehen die Fahrpferde im Mittelpunkt und sind nicht nur Beiwerk. Während in Warendorf wenigen Fahrpferden viele Zuschauer gegenüberstanden, ist es in Moritzburg geradezu umgekehrt. Ausreichend große Starterfelder, aber sehr überschaubare Zuschauerzahlen. Das soll sich ändern. Der Vorstand der Fachgruppe Fahren hat das neugewählte Vorstandsmitglied Birgit Barre aus Stemwede zur ´“Bundeschampionatskoordinatorin“ ernannt. Sie ist selbst aktive Fahrerin und Ausbilderin sowie Turnierveranstalterin, war selbst schon in Warendorf und in Moritzburg am Start.

„Wir müssen Moritzburg den Fahrern aus den alten Bundesländern näherbringen“, sagt Birgit Barre, „Argumente gibt es viele, die Möglichkeiten eines Warm-Ups auf dem Prüfungsviereck, die hervorragenden Bodenverhältnisse, die Nähe zwischen Stallungen und Prüfungsplätzen.“ Aber auch außersportlich hat Moritzburg viel zu bieten. Die nur 20 km entfernte Kulturmetropole Dresden zum Beispiel oder das unmittelbar neben dem Prüfungsplatz gelegene Schloss Moritzburg sind attraktive Destinationen zwischen den Prüfungen. Auch die Konzertveranstaltung „Musik & Hengste“ am Samstag- und Sonntagabend der Championatstage sind ein weiteres Highlight.

Dr. Kati Schöpke, seit einem Jahr Landstallmeisterin und Leiterin der sächsischen Gestütsverwaltung sieht es ganz nüchtern: „2019 ist für uns ein Jahr des Übergangs.“ Vieles wird ausprobiert werden und 2020 dann mit Volldampf umgesetzt.“ Eines aber ist jetzt schon sicher: In Moritzburg wird keine Prüfung ausfallen, das ist garantiert!

Rolf Schettler