Passend zur WM 2026 machte der Bundesberufsreitertag dieses Jahr Station beim CHIO Aachen, erstmals mit DRFV-Programm. Es waren zwei spannende Tage, an denen die Vielfältigkeit des Pferdesports im Fokus stand. Das Thema: „Klassische Ausbildung macht Spitzensport möglich“.
Nach den Mitgliederversammlungen war die erste Podiumsdiskussion des Wochenendes dem Thema „Turnier transparent – Info Stewards am Abreiteplatz“ gewidmet mit Ulrike Lautemann, Markus Scharmann und Jan Schulze Niehues sowie der internationalen Richterin Nicole Nockemann. Das Plenum betonte, wie wichtig es sei, dass es immer um ein Miteinander aller Beteiligten gehe. Laien müsse der Sport erklärbar und transparent gemacht werden.
Christian Zink, Executive Coach, sprach in seinem Impulsvortrag zu „Sieger denken anders“, Blockaden, Entscheidungsstärke und Fokus unter Druck. Um die Planungen für die WM 2026 und den CHIO Aachen Campus ging es bei Birgit Rosenberg, der CHIO Aachen Sportchefin.
Beim World Café beteiligten sich alle zehn Fachgruppen des Deutschen Reiter- und Fahrer-Verbandes und sorgten mit ihren vielseitigen Themen für spannende Gespräche. Die Themenstände umfassten Fragestellungen zum Dressursport in der Zukunft, zur Ausbildung junger Springpferde, warum Vielseitigkeit Pflicht für Reiter und Pferd ist, zur Ausbildung im Geschirr, zum Jagdreiten, zum Gesundheitssport als Schlüssel moderner Reitausbildung, zur Verantwortung des Berufsreiters heute und in der Zukunft, zu Amateurausbildern, warum der Einstieg ins Turnierreiten neue Wege braucht, zur Zukunft des Pferdewirtberufs sowie zum CHIO Aachen Campus. Parallel zum World Café gab es eine Führung über das CHIO Aachen Turniergelände.
Der Sonntag stand ganz im Zeichen der klassischen Ausbildung. Zur Diskussion auf dem Podium saßen Reitmeister Hubertus Schmidt und Dressur-Europameisterin Katharina Hemmer, Springexperte Lars Nieberg, Vielseitigkeitsprofi Jérôme Robiné und der Fahrer und Fahr-Richter Franz Schiltz. Alle waren sich einig, dass die klassische Ausbildung die Grundlage für alle Pferde, für alle Disziplinen ist. Grundsätzlich sollte man sich mit dem Pferd auseinandersetzen, sich Zeit nehmen und auf das Pferd individuell eingehen. Junge Pferdemenschen sollten Reiten lernen, um das Reiten zu lernen, nicht für den Erfolg. Ausbilderinnen und Ausbilder sollten ihre Vorbildfunktion leben, Werte weitergeben, auf die Basis achten und Möglichkeiten schaffen, dass Kinder ans Pferd kommen.
Anschließend führten die Teilnehmenden bei den Praxisdemonstrationen das Motto Vielfältigkeit konsequent weiter. Die Jagdhornbläser der Rheinland-Meute eröffneten feierlich mit einer Fanfare diesen Programmteil, bevor Jérôme Robiné und Konstantin Harting die Vorteile vielseitiger Ausbildung demonstrierten und anschaulich vermittelten, wie man dem Pferd am Sprung ein gutes Gefühl gibt und Vertrauen aufbaut.
Mit ihrer Equipage betrat danach die Rheinland-Meute der Deutschen Schleppjagdvereinigung die Albert-Vahle-Halle und zeigte die Arbeit mit den faszinierenden Hunden in Verbindung mit den Pferden. Andreas Wintgens hatte seinen Vierspänner mit nach Aachen gebracht. Das Wichtigste beim Fahren sei das Nachgeben, betonte der Experte. Und Vierspänner fahren ihre Pferde unabhängig voneinander, jedes für sich. Im Training ist es u.a. auch möglich, die Vorderpferde im Schulterherein zu fahren, während die Stangenpferde weiter geradeaus traben. Da bedarf es großes Geschick an den Leinen.
Den Abschluss machten Hubertus Schmidt und Katharina Hemmer. Die beiden zeigten die klassische Ausbildung par excellence. Mitgebracht hatten sie den zehnjährigen Louisdor-Finalisten Special Gold v. San Amour. „Das Pferd soll leicht und locker, aber in sicherer Anlehnung gehen“, betonte Hubertus Schmidt. „Und bei jeder Übung, in jeder Phase des Trainings muss man immer das richtige Maß finden.“
Hannes Müllers Fazit des Wochenendes: „Das war das beste bundesweite Berufsreiterwochenende, das wir je hatten. Ich bin begeistert, dass es uns gelungen ist, den DRFV so sichtbar zu machen wie noch nie – mit Inhalten der klassischen Reitlehre, die alle Ausprägungen des Umgangs mit Pferden verbindet. Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Fahren, Jagdreiten und Gesundheitssport. Und wir hatten schon lange nicht mehr so ein prominent besetztes Podium mit so klaren Statements.“