Seit Jahren wird dieser Moment von den Meutehaltern in der Deutschen Schleppjagdvereinigung (DSJV) mit Sorge erwartet. Jetzt ist sie eingetreten: die erste Begegnung einer Hundemeute mit einem Wolf.
Passiert ist: (noch) nichts.
Erlebt hat die Begegnung Egbert v. Schultzendorff mit den Hunden der Niedersachsenmeute in dem Übungsgelände der Meute im niedersächsischen Dorfmark. Der erste Vorsitzende der DSJV hat zwar sein Masteramt abgegeben, ist aber weiterhin beim täglichen Bewegen der Hunde involviert. Er war unterwegs mit 15 Foxhounds und in einer Gruppe von acht Reitern, auf dem Rückweg von Wense nach Dorfmark, bei der Annäherung an die Wiese mit dem sogenannten Hundert-Meter-Hindernis, das fast alle Jagdreiter in Norddeutschland kennen. In etwa 60 Metern Entfernung kreuzte ein Wolf die Wiese, die Hunde bewegten sich bei den Reitern locker noch in einem lichten Waldstück. „Ich habe laut gerufen und der Wolf hat sich umgedreht und getrollt in die Richtung, aus der er gekommen war. Die Hunde sind bei ständiger Ansprache gehorsam bei mir geblieben, als ich ebenfalls abgedreht bin.“ Auch als v.Schultzendorff die Hunde am folgenden Tag erneut zu der Stelle führte, zeigten sie keinerlei Zeichen der Beunruhigung.
Was heißt das jetzt? Sind die Sorgen überbewertet gewesen? Dr. Michael Weiler, Verbindungsmann der DSJV zu den „grünen“ Jägern und erklärter Fachmann im Hinblick auf das Auftreten des Wolfes in Deutschland, sagt: „Nein. Die Sorge besteht weiter, ganz sicher, falls es zu einer solchen Begegnung kommt, wenn die Hunde auf der Schleppe sind oder gerade eben noch waren. Dann zieht ein einzelner Wolf sicherlich den Kürzeren, aber der Master hat sich damit strafbar gemacht.“ Daran ändert sich seiner Ansicht nach auch noch nichts durch die Tatsache, dass der Wolf jetzt in das Jagdrecht aufgenommen werden soll.
Petra Schlemm
