Passend zur WM 2026 machte der Bundesberufsreitertag dieses Jahr Station beim CHIO Aachen, erstmals mit DRFV-Programm. Es waren zwei spannende Tage, an denen die Vielfältigkeit des Pferdesports im Fokus stand. Das Thema: „Klassische Ausbildung macht Spitzensport möglich“.
Zunächst waren die Mitgliederversammlungen des DRFV und der BBR an der Reihe. Die personellen Neuigkeiten: Für den DRFV wurde Rolf Schettler als Nachfolger von Wolfgang Egbers zum zweiten Stellvertretenden Präsidenten gewählt. Carolin Lux übernimmt ab sofort von Fabian Scholz das Amt des Geschäftsführers und ist nun sowohl beim DRFV wie auch bei der BBR für die geschäftsführenden Geschicke des Verbandes zuständig. Fabian Scholz fungiert zukünftig als Beirat. Dr. Ute Gräfin Rothkirch wurde als Vorstandsmitglied wiedergewählt. Bei der BBR wurde Markus Lämmle, Leiter der Landesreitschule im Haupt- und Landgestüt Marbach, neu und einstimmig in den Vorstand gewählt. Ulrike Lautemann und Markus Scharmann sind als Vorstandsmitglieder einstimmig wiedergewählt.

Turnier transparent

Nach den Mitgliederversammlungen war die erste Podiumsdiskussion des Wochenendes dem Thema „Turnier transparent – Info Stewards am Abreiteplatz“ gewidmet mit Ulrike Lautemann und Markus Scharmann sowie der internationalen Richterin Nicole Nockemann. Das Plenum betonte, wie wichtig es sei, dass es immer um ein Miteinander aller Beteiligten gehe. Laien muss der Sport erklärbar und transparent gemacht werden.
Anschließend sprach Christian Zink, Executive Coach, in seinem Impulsvortrag zu „Sieger denken anders“ und warum mentale Stärke oft entscheidender ist als Technik oder Talent.
Er sprach über mentale Blockaden, Entscheidungsstärke und Fokus unter Druck.
Beim World Café beteiligten sich alle zehn Fachgruppen des Deutschen Reiter- und Fahrer-Verbandes und sorgten mit ihren vielseitigen Themen für spannende Gespräche.
Die Themenstände umfassten die Fragestellungen „Dressurausbildung/Dressursport in der Zukunft“, „Vom jungen Springpferd zum Spitzensport – was ist der richtige Weg?“, „Warum ist Vielseitigkeit Pflicht für jede Ausbildung von Reiter und Pferd?“, „Fahren schadet nicht! – Zum Nutzen der Ausbildung im Geschirr für Reit- und Fahrpferde“, „Jagdreiten hinter der Meute – Schlüsselkompetenzen des Reiters und seines Pferdes“, „Gesundheitssport als Schlüssel moderner Reitausbildung“, „Die Verantwortung des Berufsreiters heute und in der Zukunft“, „Amateurausbilder: Warum brauchen wir ausgebildete Trainer?“, „Basis- & Turniersport: Von der Reitschule aufs Turnier-Warum der Einstieg ins Turnierreiten neue Wege braucht“, Azubis der Berufsschule Köln: Zukunft Beruf – Ausbilder und Auszubildende im Dialog und CHIO Aachen CAMPUS: Expertennetzwerk (zum World Café später mehr).
Parallel zum World Café gab es eine Führung über das CHIO Aachen Turniergelände.
Den Tag abgerundet hat ein geselliger DRFV/BBR Abend im Stables Inn in der Albert-Vahle-Halle.

Klassische Ausbildung – das Nonplusultra

Der Sonntag stand ganz im Zeichen der klassischen Ausbildung. Zur Diskussion auf dem Podium saßen Reitmeister Hubertus Schmidt und Dressur Europameisterin Katharina Hemmer, Springexperte Lars Nieberg, Vielseitigkeitsprofi Jérôme Robiné und der Fahrer und Fahr-Richter Franz Schiltz. Alle waren sich einig, dass die klassische Ausbildung die Grundlage für alle Pferde, für alle Disziplinen ist. Ein Fundament, auf dem man das Training aufbaut. Dabei sind die ersten zehn Minuten einer Trainingseinheit immer gleich, egal ob bei einem Freizeit- oder Grand Prix-Pferd. Das Wichtigste sei, dass die Losgelassenheit auf dem gesamten Weg nicht verloren geht. Grundsätzlich sollte man sich mit dem Pferd auseinandersetzen, sich Zeit nehmen und auf das Pferd individuell eingehen. Junge Pferdemenschen sollten Reiten lernen, um das Reiten zu lernen, nicht für den Erfolg. Ausbilderinnen und Ausbilder sollten ihre Vorbildfunktion leben, Werte weitergeben, auf die Basis achten und Möglichkeiten schaffen, dass Kinder ans Pferd kommen.

Konsequent vielfältig

Anschließend an die Podiumsdiskussion führten die Teilnehmenden bei den Praxisdemonstrationen das Motto Vielfältigkeit konsequent weiter. Die Jagdhornbläser der Rheinland-Meute eröffneten feierlich mit einer Fanfare diesen Programmteil, bevor die Vielseitigkeitsprofis Jérôme Robiné und Konstantin Harting die Vorteile vielseitiger Ausbildung demonstrierten und anschaulich vermittelten, wie man dem Pferd am Sprung ein gutes Gefühl gibt und Vertrauen aufbaut und wie wichtig es ist, dass der Reiter in Balance sitzt.
Mit ihrer Equipage betrat danach die Rheinland-Meute der Deutschen Schleppjagdvereinigung die Albert-Vahle-Halle und zeigte die Arbeit mit den faszinierenden Hunden in Verbindung mit den Pferden. Andreas Wintgens hatte seinen Vierspänner mit nach Aachen gebracht. Das Wichtigste beim Fahren sei das Nachgeben, betonte der Experte. Und Vierspänner fahren Pferde unabhängig voneinander, jedes für sich. Im Training ist es u.a. auch möglich, die Vorderpferde im Schulterherein zu fahren, während die Stangenpferde weiter geradeaus traben. Da bedarf es großes Geschick an den Leinen. Üblich ist es, auf Luke zu fahren, das heißt, das hintere innere Pferd bewegt sich in der Luke (Lücke) der beiden vorderen Pferde.
Den Abschluss machten Reitmeister Hubertus Schmidt und Katharina Hemmer. Die beiden zeigten die klassische Ausbildung par excellence. Mitgebracht hatten sie den zehnjährigen Louisdor-Finalisten Special Gold v. Vitalis-Weihegold. „Das Pferd soll leicht und locker, aber in sicherer Anlehnung gehen“, betonte Hubertus Schmidt. „Und bei jeder Übung, in jeder Phase des Trainings muss man immer das richtige Maß finden.“

Das Fazit: Daumen hoch

Hannes Müllers Fazit des Wochenendes: „Das war das beste bundesweite Berufsreiterwochenende, das wir je hatten. Ich bin begeistert, dass es uns gelungen ist, den DRFV so sichtbar zu machen wie noch nie – mit Inhalten der klassischen Reitlehre, die alle Ausprägungen des Umgangs mit Pferden verbindet. Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Fahren, Jagdreiten und Gesundheitssport. Und wir hatten schon lange nicht mehr so ein prominent besetztes Podium mit so klaren Statements.“