Egbert von Schultzendorff wurde zum Abschied ausgezeichnet mit der Verdienstnadel des Deutschen Reiter- und Fahrer-Verbandes, überreicht vom Vizepräsidenten Rolf Schettler, der die Tagung vom ersten Abend an interessiert begleitet hatte. „Jagdreiten ist eine kleine Nische des Reitsports, wobei hier klein aber nicht für unbedeutend steht“, betonte er vor seinem Bericht vom Geschehen auf der Verbandsebene.
Die weiteren Mitglieder im DSJV-Vorstand wurden einstimmig und en bloc wiedergewählt. Toni Wiedemann, Master und Präsident des Schleppjagdvereins von Bayern, bleibt der Stellvertreter, Philipp Jakob (Bielefeld) und Chris Gabrielse (Dinslaken) sind weiter die Referenten für den Sport bzw. die Hundezucht, Petra Schlemm für Öffentlichkeitsarbeit, und die Verbindung zum Jagdgebrauchshundeverband hält weiter Dr. Michael Weiler als Beisitzer. Weitere Fachleute sollen später vom neuen Vorstand noch benannt werden.
Die lange Tradition des Jagdreitens auf der Schleppe spiegelte sich auch in weiteren Ehrungen. Urkunden erhielten die Niedersachsenmeute – gegründet 1951 (!) – zum 75-jährigen Bestehen, die Franken- und die Beagle Meute Münsterland für 50 Jahre und die Bayern zum 40. Geburtstag. Dass das kein Grund ist, sorglos zu werden, das zeigten die Jahresberichte für Sport und Zucht. Philipp Jakob machte deutlich, in welchem Tempo der „Zahn der Zeit“ am Meutegeschehen nagt. „Statistisch gesehen verschwindet jedes Jahr eine Meute – dann wird es uns vielleicht bald nicht mehr geben, wenn wir nicht aufpassen.“ Auch der Zucht-Referent Gabrielse beobachtet immer kleinere Zahlen bei den Meldungen für die Junghundeschau und verlangte, besonderes Augenmerk auf Daten zur Gesundheit zu legen. „Für unseren Sport brauchen wir gesunde Tiere, denn dann sind auch die Menschen gesund.“
Vor zahlreichen Ehrengästen aus Politik und Gesellschaft zelebrierte der Schleppjagdverein von Bayern sein Rahmenprogramm. Franziskus Freiherr von Gumppenberg war als frisch gewählter Ritter des St.Georgs-Orden zu Gast, die „Königin des Wittelsbacher Landes“ feierte ihren Geburtstag mit den Jagdreitern, der Landtags-Abgeordnete Peter Tomaschko betonte seine Verbundenheit mit den Wiedemanns und ihrem Sport und der Bürgermeister Mirko Ketz empfing die Gäste im Sitzungssaal des Rathauses der Marktgemeinde Pöttmes, wo der SvB seit 39 Jahren zu Hause ist. Die Fotografin Ludwiga von Korff, die zusammen mit dem Meister der Pferdesportfotografie, Jacques Toffi, das Jagdreiten in einem begehrten Fotobuch festgehalten hat, war zu dem Termin eigens drei Stunden aus dem Chiemgau angereist.
Ein Erlebnis waren die beiden Zeitreisen durch die Geschichte des Vereins und seiner Foxhound-Zucht. In langer Autokolonne unternahmen die Tagungsteilnehmer einen Ausflug zum ersten provisorischen Kennel hoch oben auf dem Gumppenberg. Schon Toni Wiedemanns Erzählungen aus den Anfangszeiten der Meute allein machten die Zuhörer schwindelig bei dem Gedanken an die vielen täglichen Kilometer zwischen seinem Bett, der Arbeitsstätte und den Standorten für die Pferde und die Hunde. An dem aktuellen, inzwischen vereinseigenen Kennel an der Koppenzeller Straße in Pöttmes-Gundelsdorf als dem vierten Standort ist die Meute jetzt bereits seit dreizehn Jahren stationiert.
Dort wartete ein bayerisches Jagdfrühstück mit Brezeln und Weißwurst und die Blaskapelle spielte sogar die Nationalhymne. „Ein Novum“, wie es vielen Mitsingenden schien.
Hier zelebrierte dann die Huntslady Sissi Veit-Wiedemann eine Vorstellung verschiedener Hunde unterschiedlichen Alters an deren Erscheinungsbild das Zuchtziel der Bayern abzulesen war. „Eine Sternstunde der Zuchtlehre“, kommentierte der Zuchtreferent Chris Gabrielse ihre Demonstration.
Dass diese Hunde nicht nur attraktiv aussehen, sondern auch sportlich bestens trainiert sind, das wurde bei der mit Spannung erwarteten Schauschleppe deutlich. Mit ihrer Stellvertreterin Kathrin Haselbauer hatte Veit-Wiedemann die Meute in zwei Packs aufgeteilt und eine kluge Choreographie zusammengestellt: Auf weithin einsehbarem Gelände begegneten sich jeweils gut zwanzig Hounds aus entgegengesetzten Richtungen und wurden punktgenau zusammen- und wieder auseinander geführt. Quadrille reiten auf der Schleppe – das dürfte eine Weltpremiere gewesen sein.
Ein Kontrastprogramm ist schon zu ahnen, denn im kommenden Jahr ist Treffpunkt der Jagdreiter in Mecklenburg Vorpommern. Der Schleppjagdverein „von Esebeck“ lädt zur Jahrestagung an die Ostsee bei Wismar ein. „Und dann gehen wir aufs Meer“, kündigte der Vorsitzende Peter Leibold bereits an.
Text und Bilder: Petra Schlemm