Kommentar von Hannes Müller, dem Vorsitzenden der Bundesvereinigung der Berufsreiter:

„Um mich aus dem Tagesgeschäft herauszubeamen, schalte ich schon mal den Fernseher ein. Eine Sendung mit friedlichen Botschaften ist ,Sing meinen Song‘. Begeisterte Musiker verschiedenster Couleur tauschen sich aus und haben rührselige und anerkennende Momente, wenn das eigene Werk von jemand anderem vorgestellt wird. Auf einmal fragt einer, wie man mit dem Stress der Existenzsicherung umgeht, den Belastungen des Alltags, den Reisen und Auftritten. Ohne zu zögern, antwortet ein anderer: „Ich erinnere mich, warum ich meinen Weg eingeschlagen habe. Es ist die Liebe zur Musik und die Faszination, musizieren zu können. Ein ganz besonderes Lebensgefühl, dass einen trägt.“ Das war wie ein kleiner Blitzschlag.

Anerkennung unter Kollegen

Ist es das, was wir nur allzu schnell im Alltag vergessen? Dass wir eine ganz besondere Triebfeder in uns tragen, wenn wir tagtäglich unsere Zeit im Stall verbringen. Ob als Ausgleich für einen anstrengenden Arbeitstag oder eben sogar als Lebensmodell zur Existenzsicherung. Wäre es nicht eine tolle Sache, wenn wir als Pferdemenschen uns gegenseitig anerkennend in unseren Bemühungen immer mal wieder zusammenfinden und die Ergebnisse unserer Ausbildungsfortschritte gegenseitig begutachten und feiern würden? Natürlich auch mit einem Austausch, es noch besser zu machen zum Wohl unserer Pferde. Sicherlich haben wir Veranstaltungen, bei denen das in einer gewissen Form stattfindet. Aber für all diejenigen, die sich diesem Format nicht stellen, wäre ein Ort des Austauschs doch eine gute Idee. Die persönliche Entwicklungskurve in den Vordergrund zu stellen und nicht gleich dem Leistungsgedanken alles unterzuordnen. Die Toleranz der Vielfältigkeit des Umgangs mit den Pferden zu feiern und anzuerkennen, geht allzu oft verloren.

Bei dem Berufsreiterchampionaten, wenn der Pferdewechsel ansteht, ist davon etwas zu spüren. Gut ausgebildete Pferde und Reiter tauschen sich aus. Natürlich ist es ein Wettbewerb, aber der gegenseitige Respekt ist allgegenwärtig.

Lassen Sie uns gemeinsam die Triebfeder, die Liebe zu den Pferden, im Fokus behalten und mit neuen Formaten, Veranstaltungen und Orten der Begegnung für die Zukunft des Pferdes in unserer Gesellschaft arbeiten.“