Ein Kommentar des stellvertretenden DRFV-Präsidenten und Vorsitzenden der Fachgruppe Fahren, Rolf Schettler:
„Es war eine lebhafte Diskussionsrunde Mitte Mai in Warendorf: Unter der Überschrift ‚Heißes Eisen – Junge Pferde im Turniersport‘ prallten die altbekannten Argumente aufeinander. Eine Gruppe möchte die turniermäßige Präsentation dreijähriger Pferde möglichst verbieten, weil sie Überforderung wittert. Die andere Gruppe hält das frühe Training für förderlich, um Muskeln, Sehnen und Bänder zu trainieren und an Belastungen zu gewöhnen.
Neben all den ideologisch getriebenen Beiträgen war die sachliche und auf wissenschaftlichen Forschungsergebnissen basierende Argumentation der Wiener Veterinär-Professorin Dr. Christine Aurich vom Graf-Lehndorff-Institut in Neustadt/Dosse geradezu wohltuend: Wenn man warten müsste, bis alle Wachstumsfugen geschlossen sind, dürften auch jugendliche Menschen vor dem 20. Lebensjahr keinen Sport betreiben!
Reitmeister Martin Plewa erinnerte daran, wie früher Pferde in der Landwirtschaft zweijährig eingefahren (beigespannt) wurden. Viel besser jedenfalls als stundenlanges Longieren! Die Frage nach der zumutbaren und gesunden Belastung des Pferderückens ist viel wichtiger als ein formales Mindestalter für den Beginn der Ausbildung. In meiner Jugend durfte der Remontereiter nicht mehr als 60 bis 65 Kilogramm wiegen, und dann wurde ohne Sporen im Gelände geradeaus geritten. Oder eben gefahren: Obersattelmeister Manfred Lopp, der langjährige Leiter der hannoverschen Hengstprüfungsanstalt Westercelle (später Adelheidsdorf) erzählte gerne, dass die jungen Hengste nie besser trabten als nach der sechswöchigen Sommerpause, in der sie ausschließlich vor dem Traberwagen geradeaus gefahren wurden.
Daher wundert es mich sehr, dass in der aktuellen Debatte um die möglichst pferdeschonende Ausbildung noch immer nicht der wahre Wert der Arbeit im Zug, sei es vor der Schleppe oder vor dem leichten Wagen, erkannt und thematisiert wird. Ohne Belastung im Rücken die gesamte Muskulatur, die Sehnen und Bänder zu kräftigen sowie Herz und Lunge zu trainieren ist eigentlich perfekt. Mag sein, dass nicht genügend versierte Fahrausbilder zur Verfügung stehen, die den Reitern bei dieser Arbeit helfen. Aber daran kann man arbeiten – wenn man den tieferen Sinn erst einmal erkannt hat.
Denn eines ist sicher: Fahren schadet nicht – weder den Pferden noch den Reitern!“









