Die zweite WM-Woche in Aachen ist vorbei. Das Fazit: Team-Gold im Springen, sieben Medaillen im Para-Sport und Platz vier bei den Vierspännern.

Das deutsche Springteam mit Marcus Ehning/Coolio und den drei Pferdewirten Daniel Deußer/Otello de Guldenboom, Sophie Hinners/Iron Dames Singclair und Richard Vogel/United Touch S hat nach 16 Jahren wieder die Goldmedaille gewonnen.

Schon nach drei Reitern Gold sicher

Daniel Deußer ging mit Otello de Guldenboom als dritte Teamreiter an den Start. Sie hätten sich sogar einen Springfehler erlauben dürfen und das deutsche Team wäre trotzdem Weltmeister geworden. Aber sie blieben wie ihre Teamkollegen fehlerfrei, die Lautstärke im Stadion erreichte einen neuen Dezibelrekord. Deutschland ist Weltmeister und holte den Mannschaftstitel nach Hause! „Ich hatte Gänsehaut in der Arena. Als Deutscher hier  einzureiten, es ist eine unglaubliche Show. Es ist nicht zu beschreiben“, sagte Deußer.

Schlussreiter Richard Vogel und sein 14-jähriger Westfale United Touch S von Untouched ritten schon als Mannschafts-Weltmeister ins Stadion ein. Wie die drei Teamkollegen zuvor blieben auch die beiden ohne Springfehler. „Wir hatten schon den Titel als wir eingeritten sind. Es war schwer sich zu konzentrieren, denn ich war der glücklichste Reiter als ich mich auf United gesetzt habe“, erklärte Richard.

Bundestrainer Otto Becker ist sehr stolz auf sein Team und sagte: „Irgendwie fühle ich mich, als wenn ich jetzt gerade ein paar Zentimeter gewachsen wäre, so gut wie die alle geritten haben. Ich bin überwältigt, mir fehlen die Worte, was das Team hier geleistet hat. Das war ein richtiges Team, die Vier, wie sie sich hier präsentiert haben, jeder hat seine Runden dazu beigesteuert. Wir wissen, die Null-Runden sind wichtig und wir haben sie geliefert.“

Den Kampf um die Einzelmedaillen gewann Steve Guerdat und Dynamix de Belheme für die Schweiz. Als bester Deutscher beendet Daniel Deußer das Finale auf Rang sechs, direkt vor seinem Teamkollegen Marcus Ehning. Rang neun für Sophie Hinners bei ihrer ersten WM.

Para-Dressur: sieben Medaillen

Die WM-Ausbeute bei den Para-Reiterinnen: Team-Silber, Einzel-Gold, zweimal Einzel-Silber und dreimal Einzel-Bronze.

Team-Silber gab es für Heidemarie Dresing (Grade II), Regine Mispelkamp (Grade V), Newcomerin Helen Brandt (Grade IV) und Anna-Lena Niehues (Grade IV).

Gold und Kür-Bronze gewann Heidemarie Dresing/Poesie (Grade II). „Das ist ein wunderschönes Gefühl. Das ist eigentlich das Topping meiner Laufbahn mit diesem Pferd! Ich habe es mir gewünscht, und jetzt ist der Traum wahr geworden“, sagte die an Multipler Sklerose erkrankte Heidemarie Dresing nach der Siegerehrung.

Einzel-Silber sicherte sich Anna-Lena Niehues/Vive L’Amour (Grade IV). Mit 74,630 Prozent lieferte die Pferdewirtschaftsmeisterin, die infolge einer Tumor-OP an der Halswirbelsäule inkomplett querschnittgelähmt ist, ihre bisherige Bestleistung ab.

 

Anna-Lena Niehues auf Viva l’Amour (© www.sportfotos-lafrentz.de/Houou Tomita)

Kür-Bronze ging an die WM-Debütantin Helen Brandt/Vulkan Vegas IB (Grade IV).

Einzel-Bronze und Kür-Silber gewann Pferdewirtschaftsmeisterin Regine Mispelkamp/Highlanders Delight’s (Grade V). „Ich bin total happy mit meiner Bronzemedaille, natürlich will man gerne mehr, aber ich habe halt einen Fehler gehabt. Er (Highlander Delight’s) ist einfach in topform, er hat so toll mitgemacht, es war so schönes Reiten und es hat so viel Spaß gemacht. Der Fehler geht auf meine Kappe, aber dass es noch Bronze geworden ist – mega!“, freute sie sich.

Vierspänner: kein Treppchen-Platz

Nicht unzufrieden mit ihren Leistungen, aber doch etwas enttäuscht vom Gesamtergebnis sind die deutschen Fahrer und Fahrerinnen von ihrem vierten Platz bei der Weltmeisterschaft in Aachen. Erklärtes Ziel war ein Platz auf dem Treppchen, am Ende wurde es Platz vier für Christoph und Anna Sandmann und Mareike Meier.

Dabei lieferten sowohl die Mannschafts- wie auch die Einzelfahrer solide Vorstellungen. Das spiegelten auch die Resultate der Kombinierten Prüfung wider, in der Anna Sandmann mit Rang sechs (165,48 Punkte) die beste Platzierung aus deutscher Sicht errang. „Ich war ein bisschen aufgeregt, weil ich nicht wusste, wie meine Pferde die Atmosphäre im Stadion aufnehmen, denn es war sehr laut da drin. Aber die Pferde waren super bei mir und waren sehr konzentriert“, sagte sie nach ihrer Dressurvorstellung. „Auch im Marathon waren sie fantastisch, da bin ich zu Anfang vielleicht etwas vorsichtig gefahren und habe etwas Zeit liegen gelassen“, so bewertet sie ihre Fahrt im Gelände (Rang 13). Das Kegelfahren absolvierten Cobra, Fantast, Iwan und Musketier ohne Abwurf, lediglich acht Strafsekunden kamen auf das Punktekonto (Rang 8). „Zwischen Hindernis zwei und drei gab es eine kleine Irritation mit meinen Pferden, das hat sicher etwas Zeit gekostet. Wir mussten erst wieder den richtigen Rhythmus finden, danach lief es rund“, erklärt sie.