Vom 16. bis 18. Oktober bringen „Wir sind Fahrer im DRFV“ und die Deutsche Richtervereinigung (DRV) Trainer und Richter beim DOKR in Warendorf zusammen. Nicht nebeneinander. Sondern miteinander.
Denn genau darum geht es bei dieser Fortbildung: Ausbildung und Beurteilung nicht getrennt voneinander zu betrachten, sondern miteinander ins Gespräch zu bringen.
Die Skala der Ausbildung als gemeinsame Sprache
Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung – seit Jahrzehnten bilden sie das Fundament der klassischen Pferdeausbildung. Aber sprechen Trainer und Richter tatsächlich immer dieselbe Sprache?
Was meint der Trainer, wenn er ein bestimmtes Ausbildungsziel formuliert? Was sieht der Richter später in der Prüfung? Welche Anforderungen stellt eine Aufgabe an das Pferd – und welche Voraussetzungen müssen im täglichen Training geschaffen werden, damit es diese Anforderungen überhaupt erfüllen kann?
Genau an dieser Schnittstelle setzt die Fortbildung an. Trainer unterrichten. Richter beobachten. Gemeinsam wird analysiert. Was war das Ziel? War der gewählte Weg richtig? Was hat sich beim Pferd verändert? Was nimmt der Trainer wahr – und wie beurteilt der Richter das Ergebnis?
Drei Experten – erstklassige Fachkompetenz: Mit Peter Tischer, Jürgen Uthoff und Ekkehard Freiberg konnten drei ausgewiesene Experten gewonnen werden, deren Erfahrung und fachliche Kompetenz diese Fortbildung in besonderer Weise prägen.
Das Programm
Freitag, 16. Oktober
ab 11 Uhr | Anreise
14 bis 16 Uhr | Sehen. Schulen. Beurteilen. Praktische Unterrichtserteilung mit Gespannen
Trainer erteilen Unterricht, Richter beobachten. Im Mittelpunkt stehen Ausbildungsziel, gewählter Trainingsweg und die sichtbare Entwicklung des Pferdes. Welche Veränderungen können durch die Unterrichtserteilung erreicht werden? Was nimmt der Trainer wahr – und was sieht der Richter?
16 bis 16.15 Uhr | Kaffeepause
16.15 bis 17 Uhr | Gemeinsame Reflexion
Trainer und Richter reflektieren gemeinsam die vorangegangenen Unterrichtseinheiten.
Was war das Ziel? War der gewählte Weg richtig? Was hat sich beim Pferd verändert? Was hat der Trainer wahrgenommen – und wie beurteilt der Richter das Ergebnis? Die Aufgabe definiert die Anforderungen – der Trainer erarbeitet im Training die Voraussetzungen, um sie erfüllen zu können.
17 bis 18 Uhr| Forum
Skala der Ausbildung – Fundament oder Auslaufmodell? Brauchen wir sie noch – oder braucht moderner Fahrsport neue Antworten? Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung bilden seit Jahrzehnten das Fundament klassischer Pferdeausbildung. Aber ist dieses System noch zeitgemäß? Passt es zu dem, was wir heute im Fahrsport sehen? Welche vermeintlich moderneren Ausbildungswege begegnen uns im Sport – und halten sie einer fachlichen Betrachtung stand? Fahrer, Trainer und Richter beziehen Position und diskutieren miteinander.
Samstag, 17. Oktober
9 bis 10 Uhr | Theorie
Vom Ausbildungsziel zum Trainingskonzept
Gemeinsames Erarbeiten konkreter Unterrichts- und Trainingskonzepte zu drei zentralen Themen: Übergänge fahren: Warum sind Übergänge für die Ausbildung so wichtig – und was lassen sie erkennen? Wie sind Übergänge im Kontext der Skala der Ausbildung einzuordnen? Was geschieht biomechanisch bei einer korrekten Ausführung – und was verändert sich, wenn der Übergang nicht optimal gelingt? Was soll ein korrekt gefahrener Übergang bewirken, wie wird er systematisch entwickelt und woran erkennen Trainer und Richter seine Qualität?
Leinen aus der Hand kauen lassen: Was soll die Übung zeigen und bewirken? Wie wird sie korrekt erarbeitet und ausgeführt? Woran erkennen wir ein korrektes Leinen-aus-der-Hand-kauen-Lassen? Welche vorbereitenden Lektionen führen das Pferd dorthin?
Losgelassenheit entwickeln: Wie entsteht Losgelassenheit und welche Voraussetzungen müssen dafür geschaffen werden? Woran erkennen wir echte Losgelassenheit – und woran nur den äußeren Anschein davon?
Dabei geht es immer um dieselben drei Fragen: Was ist unser Ziel? Welcher Weg führt dorthin? Woran erkennen wir die Wirkung?
10 bis 13 Uhr | Praxis
Ausbildungswege in der Praxis
Die zuvor entwickelten Konzepte werden mit den Gespannen praktisch umgesetzt. Trainer und Richter bleiben dabei ausdrücklich im Dialog: Was sehen wir? Entspricht die Entwicklung dem formulierten Ausbildungsziel? Welche Kriterien legt der Richter an? Welchen Einfluss hat das Richterurteil auf die weitere Trainingsarbeit? Was kann der Trainer aus der Beurteilung für die weitere Ausbildung mitnehmen – und wie fließen die Erkenntnisse aus der richterlichen Perspektive in die weitere Trainingsarbeit ein? Nicht Unterricht auf der einen und Bewertung auf der anderen Seite – sondern gemeinsames Arbeiten am Ausbildungsziel.
13 bis 14 Uhr | Mittagspause
14 bis 16 Uhr | Reflexion
Ziel erreicht? Training analysieren. Wirkung erkennen. Wege hinterfragen. Gemeinsame Nachbetrachtung der Trainingseinheiten. Hier sollen ausdrücklich auch unterschiedliche Wahrnehmungen und Einschätzungen zur Sprache kommen.
16 bis 16:30 Uhr | Kaffeepause
16 bis 17 Uhr| Theorie
Junge Fahrpferde richtig ausbilden
Losgelassenheit ist eine zentrale Voraussetzung für die weitere Ausbildung des Fahrpferdes – aber woran erkennen wir sie tatsächlich?
Aus Sicht des Trainers: Wie erarbeite und fördere ich Losgelassenheit?
Aus Sicht des Fahrers: Wie fühlt sich Losgelassenheit an?
Aus Sicht des Richters: Woran erkenne und beurteile ich Losgelassenheit?
ab 19 Uhr | Gemeinsamer Abend
Zeit für Fahrsport – und füreinander.
Sonntag, 18. Oktober
9 bis 10 Uhr | Theorie
Linien. Punkte. Präzision.
Hufschlagfiguren korrekt fahren, vermitteln und beurteilen. Gemeinsames Erarbeiten von Lerninhalten und Zielsetzungen. Was macht eine korrekt gefahrene Hufschlagfigur aus? Welche Bedeutung haben Linienführung, Stellung und Biegung, Takt, Tempo und Vorbereitung? Wie vermittelt der Trainer diese Anforderungen – und nach welchen Kriterien beurteilt der Richter ihre Ausführung?
10 bis 13 Uhr | Praxis
Von der Linie zum Gesamtbild
Hufschlagfiguren in der praktischen Unterrichtserteilung. Die zuvor erarbeiteten Inhalte werden in der Praxis umgesetzt. Trainer unterrichten. Richter beobachten und bringen ihre Perspektive unmittelbar ein. Welche Kriterien legt der Richter an eine korrekt gefahrene Hufschlagfigur an? Wie vermittelt der Trainer genau diese Anforderungen? Und wie beeinflusst die Qualität der Ausbildung die Qualität der gezeigten Lektion?
13 bis 14 Uhr | Mittagspause
14 bis 15 Uhr | Reflexion
Was haben wir gesehen – und was hat sich verändert? Gemeinsame Analyse der Trainingseinheiten. Trainer und Richter betrachten die Arbeit noch einmal aus ihren jeweiligen Perspektiven: Wurden die Lernziele erreicht? Welche Veränderungen waren sichtbar? Wo stimmen die Wahrnehmungen überein – und wo unterscheiden sie sich?
15 bis 16 Uhr | Trainer-Richter-Forum
Von Klasse A bis international – sprechen wir eigentlich dieselbe Sprache? Wie verändern sich Anspruch, Ausbildungsideal und Bewertung auf dem Weg von den nationalen Klassen bis zum internationalen Dressursport? Was erwarten wir von einem Fahrpferd in Klasse A? Was muss in Klasse M hinzukommen? Wie entwickelt sich das angestrebte Bild bis zum Spitzensport? Bleiben unsere Maßstäbe dieselben – oder verändert sich mit zunehmendem Niveau auch unsere Vorstellung von „gutem Fahren“? Bereiten unsere nationalen Ausbildungs- und Bewertungsmaßstäbe Pferde und Fahrer tatsächlich auf die Anforderungen des internationalen Sports vor?
16 Uhr | Abschluss
Teilnahme und Anmeldung
Teilnahmegebühr
DRFV-Mitglieder: 180 Euro
Nicht-Mitglieder: 210 Euro
Teilnahme mit Gespann
Wer ein Gespann zu den praktischen Unterrichtseinheiten mitbringen möchte, kann dies direkt bei der Anmeldung angeben. Für die mitgebrachten Pferde und Ponys stehen beim DOKR in Warendorf maximal zehn Boxen zur Verfügung. Die Kosten der Unterbringung übernimmt der DRFV.
Verbindlicher Anmeldeschluss: 1. Oktober 2026
Eine Anmeldung nach diesem Termin ist aus organisatorischen Gründen nicht möglich.
