Mitte September feierte der Deutsche Traditionsfahrerverband sein zehnjähriges Bestehen auf Schloss Wickrath. Mit seiner reichen Pferde- und Fahrsportgeschichte bot das Schloss den idealen Rahmen, um die Erfolge des DTV und die zeitlose Schönheit eleganter Equipagen zu würdigen.
Eine besondere Stärke der Veranstaltung lag in ihrem persönlichen und überschaubaren Rahmen. Die Präsentationsfläche war hervorragend bemessen: Jede Equipage konnte in elegantem Trab durch den Park fahren, sich wirkungsvoll zeigen und von den Zuschauern aus nächster Nähe betrachtet werden. Vor der eindrucksvollen Kulisse des Schlosses vermittelten Pferde, Wagen und historisch passend gekleidete Teilnehmer ein überzeugendes Bild der vornehmen Pferdewelt um 1900.
Das Thema „Parkequipagen um 1900 – damals und heute“ bot weit mehr als eine Gelegenheit, schöne Pferde und wertvolle Wagen zu präsentieren. Es ermöglichte zugleich, die gesellschaftlichen Regeln zu erklären, die einst das Erscheinungsbild und die Nutzung einer Equipage bestimmten.
Ein wichtiger Programmpunkt war die Unterscheidung zwischen Equipagen, die von ihren Besitzern selbst gefahren wurden, und solchen unter der Führung eines professionellen Kutschers. Der Besitzer trug als Fahrer modische Privatkleidung, während der begleitende Groom gewöhnlich in Livree erschien. Bei einer kutschergefahrenen Equipage nahm dagegen der professionelle Kutscher in vollständiger Livree auf dem Bock Platz, während Besitzer, Familie und Gäste als Passagiere reisten.
Diese Unterschiede wären früher in den eleganten Parks und Straßen Europas sofort verstanden worden. Sie zu bewahren und zu erklären, bleibt ein wichtiger Bestandteil der Arbeit des DTV. Historische Stimmigkeit entsteht schließlich erst durch das Zusammenspiel von Pferden, Wagen, Geschirr, Fahrer, Passagieren, Bediensteten, Kleidung und dem ursprünglichen Zweck der Equipage.
Mehrere Teilnehmer konnten leider krankheitsbedingt nicht anreisen. Besonderer Dank gebührt deshalb Xaver Vitoul. Er verzichtete darauf, seine eigene Equipage zu fahren, und sprang als „Super-Substitute“ ein. Mit Hans-Willi Schophövens KWPN Stuten vor einem belgischen Landauer stellte er sicher, dass auch eine kutschergefahrene Equipage vertreten war. Sein spontaner Einsatz zeigte zugleich den Gemeinschaftsgeist innerhalb des DTV.
Ergänzt wurden die Equipagen durch vier elegante Damensattelreiterinnen. Sie erinnerten an die berühmten Reiterinnen der Rotten Row im Londoner Hyde Park, „the pretty housebreakers“. Zu ihnen gehörte Catherine Walters, genannt „Skittles“, die wegen ihrer Schönheit, Eleganz und Reitkunst zu einer gefeierten Persönlichkeit der viktorianischen Gesellschaft wurde. Die Reiterinnen in Wickrath zeigten damit, dass das vornehme Leben in den Parks nicht allein von eleganten Wagen, sondern ebenso von hervorragenden Pferdefrauen geprägt wurde.

Zehn Jahre voller Erfolge
Am Abend wurden die Feierlichkeiten mit einem Jubiläumsdinner fortgesetzt. Der Gründer und Ehrenpräsident des DTV, Siegward Tesch, blickte dabei auf die Entstehung des Verbandes und die Leistungen seines ersten Jahrzehnts zurück.
Der entscheidende Impuls zur Gründung des DTV ging von Siegward aus. Im Jahr 2015 initiierte und organisierte er die erste große Präsentation des traditionellen Fahrens beim CHIO Aachen seit vielen Jahren. Insgesamt 22 historische Equipagen begeisterten das Publikum auf dem Platz vor dem Aachener Dom und im Hauptstadion an der Soers. Der Erfolg machte eine Erkenntnis deutlich: Deutschland brauchte einen eigenen Verband für traditionelles Fahren.
Nach intensiven Vorbereitungen fand am 25. August 2016 in Celle die Gründungsversammlung statt. Neben Siegward Tesch gehörten Letizia Tesch-Burgmer, Hans-Jürgen und Laila Niemeyer, Thomas Sagkob, Jürgen Matthies und Jörn Sievers zu den Gründungsmitgliedern. Obwohl der Verband gemeinschaftlich gegründet wurde, war es Siegward, der die Initiative entwickelte, die notwendigen Menschen zusammenbrachte und aus einer Idee eine tragfähige nationale Organisation formte.
In nur zehn Jahren ist der DTV auf rund 220 Mitglieder angewachsen und hat sich zum größten und bedeutendsten deutschen Verband für traditionelles Fahren entwickelt. Er schuf ein bundesweit anwendbares, flexibel aufgebautes Regelwerk, das bei Turnieren ebenso eingesetzt werden kann wie bei Präsentationen, Ausfahrten und geselligen Treffen.
Seit seiner öffentlichen Vorstellung im Februar 2017 in Wiehl hat der DTV ein umfangreiches Programm aus Wettbewerben, Einsteiger- und Schnuppertagen, Seminaren, Trainings, Ausfahrten, Präsentationen und Jahrestagungen aufgebaut. Er setzte zudem wichtige Traditionsfahrveranstaltungen auf dem Landgestüt Celle fort und präsentierte sich bei bedeutenden Pferdesportereignissen wie den Europameisterschaften der Vierspänner in Donaueschingen. Aachen blieb ein zentraler Bestandteil seiner Geschichte. Nach dem wegweisenden Auftritt von 2015 kehrten traditionelle Equipagen 2017, 2019, 2023 und 2025 zum CHIO zurück.
Besonders eindrucksvoll war die Präsentation 2023. Großbritannien war Partnerland des CHIO, und Prinzessin Anne hatte ausdrücklich eine Vorführung mit englischen Wagen gewünscht. Rund 20 DTV-Equipagen bildeten einen wichtigen Teil der Eröffnungsfeier. Die Präsentation beeindruckte The Princess Royal so sehr, dass sie anschließend persönlich das Gespräch mit den Teilnehmern suchte.
Die Rückkehr des traditionellen Fahrens nach Aachen zählt zu den bedeutendsten Leistungen Siegward Teschs. Dank seiner langjährigen beruflichen Beziehungen und des Vertrauens, das er sich in der Pferdewelt erworben hatte, gelang es ihm, der Disziplin einen Platz auf einer der weltweit größten Bühnen des Pferdesports zu sichern. Dies verschaffte dem jungen DTV nationale und internationale Aufmerksamkeit.
Heute arbeitet der DTV konstruktiv mit anderen deutschen Fahrvereinigungen zusammen und ist anerkannter Kooperationspartner der Deutschen Reiterlichen Vereinigung für die Disziplin Traditionsfahren. Zugleich pflegt er freundschaftliche Beziehungen zu Verbänden in zahlreichen europäischen Ländern und fördert den internationalen Austausch.
Die Jubiläumsveranstaltung auf Schloss Wickrath verband Fachwissen und Liebe zum Detail mit Herzlichkeit und Geselligkeit. Sie würdigte die Vision und den prägenden Einfluss ihres Gründers sowie die Leistungen aller Mitglieder, die den DTV während seines ersten Jahrzehnts unterstützt und weiterentwickelt haben. Das Erreichte bildet ein starkes Fundament für die Zukunft des traditionellen Fahrens in Deutschland.
